Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen – Maßnahmen zum Schutz von Bewohnenden und Mitarbeitenden

Heiße Tage – also Tage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30 °C – treten infolge des Klimawandels immer häufiger auf. In Deutschland hat sich ihre Anzahl seit den 1950er-Jahren von etwa drei Tagen pro Jahr auf rund elf Tage im Jahr 2025 erhöht. Prognosen gehen davon aus, dass Hitzeperioden künftig nicht nur häufiger, sondern auch länger und intensiver ausfallen werden. 

Vor diesem Hintergrund gewinnt ein strukturierter Hitzeschutz in Pflegeheimen zunehmend an Bedeutung – etwa durch bauliche Maßnahmen, gezielte pflegerische Maßnahmen sowie Maßnahmen des Arbeitsschutzes. 

Dieser Beitrag erläutert, warum Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen wichtig ist und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um sowohl Bewohnende als auch Mitarbeitende sicher durch Hitzeperioden zu begleiten. 

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1. Warum Hitzeschutz wichtig ist 

Starke und anhaltende Hitze kann die Gesundheit vieler Menschen beeinträchtigen. Menschen ab 65 Jahren, Menschen mit Vorerkrankungen und Pflegebedürftigkeit zählen zu den vulnerablen Personengruppen und sind in besonderem Maße von hitzebedingten Gesundheitsrisiken betroffen. Mit zunehmendem Alter lässt die Fähigkeit des Körpers nach, die Körpertemperatur zu regulieren. Zudem erschweren Faktoren wie Erkrankungen, Medikamente sowie eine eingeschränkte Selbstständigkeit die Anpassung an hohe Temperaturen. Häufig ist auch das Durstempfinden im Alter reduziert, was das Risiko einer Dehydrierung erhöht.

Auch Mitarbeitende im Gesundheitswesen sind während Hitzeperioden besonderen Belastungen ausgesetzt. Körperlich anstrengende Pflegetätigkeiten, das Tragen von Dienstkleidung und Schutzausrüstung, sowie hohe Temperaturen in Bewohnerzimmern oder Gemeinschaftsbereichen können die körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und das Risiko für Kreislaufbeschwerden, Konzentrationsprobleme oder Erschöpfung erhöhen. 

Pflegeeinrichtungen tragen daher eine besondere Verantwortung, sowohl Bewohnende als auch Mitarbeitende durch geeignete Präventionsmaßnahmen zu schützen.

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2. Hitzeschutzkonzept 

Der Qualitätsausschuss Pflege empfiehlt Pflegeeinrichtungen und -diensten die Entwicklung und Umsetzung eines einrichtungsindividuellen Hitzeschutzplans (Bundeseinheitliche Empfehlung des Qualitätsausschusses Pflege zum Einsatz von Hitzeschutzplänen in Pflegeeinrichtungen und -diensten vom 28.03.2024, gemäß § 113b Abs. 4 Satz 3 SGB XI). 

Hitzeschutzpläne legen fest, welche Maßnahmen bereits vor Beginn einer Hitzewelle vorbereitet und während hoher Temperaturen umgesetzt werden, um die Gesundheit der Bewohnenden sowie den Arbeits- und Gesundheitsschutz der Mitarbeitenden sicherzustellen. Hitzeschutz umfasst sowohl langfristige als auch kurzfristige Maßnahmen. Bereits lange vor dem Auftreten hoher Temperaturen werden vorbereitende Vorkehrungen getroffen, beispielsweise durch bauliche Anpassungen oder weitere strukturelle Maßnahmen. Während einer Hitzewelle stehen hingegen kurzfristig umsetzbare Maßnahmen im Vordergrund, etwa die Anpassung von Dienstplänen und Arbeitsabläufen, um auf die aktuelle Belastungssituation angemessen reagieren zu können.  

Maßnahmen zum Hitzeschutz lassen sich in technische (T), organisatorische (O) und personenbezogene (P) Maßnahmen unterteilen. Zusammen bilden die Anfangsbuchstaben das sogenannte TOP-Prinzip. Dieses besagt, dass bei der Auswahl von Hitzeschutzmaßnahmen immer deren Wirksamkeit berücksichtigt werden sollte. Dabei haben technische Maßnahmen Vorrang und sollten – ebenso wie organisatorische Maßnahmen– frühzeitig geplant und umgesetzt werden. Personenbezogene bzw. verhaltensbezogene Maßnahmen bilden die letzte Stufe des Hitzeschutzes. Sie kommen ergänzend zum Einsatz, wenn technische und organisatorische Maßnahmen nicht ausreichen. 

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3. Unsere Maßnahmen zum Hitzeschutz 

Das Hitzeschutzkonzept des Paul-Gerhardt-Werks und der Diakonie Mittelbaden beinhaltet unter anderem folgende Bausteine: 

Organisation & Steuerung 

Für jede Einrichtung gibt es im Rahmen einer festgelegten Steuerungsgruppe jährliche Treffen zur Vor- und Nachbereitung sowie zur Evaluation der während Hitzeperioden eingeleiteten Maßnahmen. 

Leitungskräfte nutzen das Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes, um auf bevorstehende Hitzeereignisse rechtzeitig reagieren zu können. 

Technische und bauliche Anpassungen 

In Vorbereitung auf den Sommer werden technische und bauliche Funktionsprüfungen durchgeführt und Nachrüstungen geplant. Dazu gehören die Kontrolle von Sonnenschutz- und Kühlsystemen, die Einrichtung kühler Rückzugsbereiche, die Sicherstellung geeigneter Lagerbedingungen für hitzeempfindliche Materialien und Medikamente sowie Maßnahmen zur Temperaturregulierung und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. 

Arbeitsschutz 

Mitarbeitenden stehen entsprechende Sicherheitsanweisungen und Handlungsleitfäden für das Arbeiten bei Hitze sowie für das Verhalten in Notfallsituationen zur Verfügung. Zudem wird das Thema Hitzeschutz im Rahmen von Gefährdungsbeurteilungen berücksichtigt. 

Information & Beratung 

Versorgten Personen, ihren An- und Zugehörigen sowie allen Mitarbeitenden stehen verschiedene Informationsmaterialien zur Verfügung. Diese werden in den Sommermonaten von der Einrichtung oder dem Pflegedienst ausgehändigt, beziehungsweise im Rahmen von Beratungsgesprächen bereitgestellt. 

Es finden regelmäßig Schulungen für Mitarbeitende zum Thema Hitzeschutz statt. Gegenstand solcher Fortbildungen sind unter anderem die Risikofaktoren, das Erkennen von Gesundheitsgefahren aufgrund von Hitze und Sonneneinstrahlung, das Einleiten von Sofortmaßnahmen, die im Hitzeschutzkonzept aufgeführten Verfahren und Maßnahmen und der Selbstschutz der Mitarbeitenden. 

Pflegerische Maßnahmen 

Im pflegerischen Alltag werden personen-, krankheits- und medikamentenbezogene Risikobewertungen sowie erforderliche Behandlungsmaßnahmen bei hitzebedingten Gesundheitsproblemen berücksichtigt. 

Maßnahmen im Bereich der Hauswirtschaft 

Hier wird der Hitzeschutz beispielsweise im Rahmen der Speisenplanung und Getränkeversorgung berücksichtigt.

4. Praktische Tipps 

Schon mit einfachen Maßnahmen können Sie sich und Ihre Angehörigen an heißen Tagen und Nächten schützen und die Hitzebelastung reduzieren. 

 

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) bietet hierzu praktische Übersichten zum Ausdrucken in Form einer Checkliste sowie eines Merkblatts zum Umgang mit Hitze: Checkliste „Gesund durch die Sommerhitze“ und Merkblatt „Im Alter gesund durch die Sommerhitze“ 

 

Vorbereitend
  • Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes beachten (Radio, Zeitung oder unter www.dwd.de) (9). 

  • Medikamente kühl lagern. 

  • Angehörige, Nachbarn oder den Pflegedienst um Unterstützung bitten (z.B. beim Wocheneinkauf).

Fortlaufend 
  • Ausreichend trinken – auch ohne Durstgefühl (z.B. stündlich ein Glas). Wichtig: Getränke nicht eiskalt trinken. 

  • Leichte, wasserreiche Mahlzeiten bevorzugen.

  • Auf Anzeichen von Flüssigkeitsmangel, Kreislaufproblemen oder Hitzebelastung achten.

  • Bei Beschwerden frühzeitig medizinischen Rat einholen. 

Morgens 
  • Früh lüften und anschließend Wohnung abdunkeln (Rollläden, Vorhänge, Fensterläden). 

  • Luftige Kleidung tragen. 

  • Getränke vorbereiten und bei Bedarf eine Trinkerinnerung einrichten. 

  • Erledigungen und körperliche Aktivitäten in die kühleren Morgenstunden legen. 

Mittags
  • Aktivitäten reduzieren und Pausen einlegen. 

  • Direkte Mittagssonne meiden, Kopfbedeckung und Sonnenschutz verwenden. 

  • Schattenplätze in Parks und Gärten aufsuchen. 

  • Körper kühlen (feuchte Tücher, Fußbäder, Wasserspray, Duschen). 

Abends/nachts
  • Lüften. 

  • Körper kühlen (feuchte Tücher, Fußbäder, Wasserspray, Duschen). 

  • Leichte Bettdecke und Schlafkleidung verwenden. 

  • Wärmflasche mit kaltem Wasser als Kühlhilfe nutzen. 

4.1 Für pflegende Angehörige 

Das Merkblatt „Hitze bei Pflegebedarf – Gesund durch die Sommerhitze“ des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) enthält konkrete Hinweise zu Warnzeichen, Schutzmaßnahmen und dem Umgang mit Hitzebelastung bei pflegebedürftigen Menschen. 

Ergänzend finden pflegende Angehörige Informationen zum Umgang mit Hitze auf der Informationsplattform Klima – Mensch – Gesundheit des BIÖG sowie beim Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP)

Wichtig: Achten Sie auch auf sich selbst – Hitzewellen belasten nicht nur Pflegebedürftige. 

 

4.2 Für Einrichtungen und Beschäftigte 

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) bietet auf ihren Internetseiten vertiefende Informationen und Handlungsempfehlungen für Pflege- und Betreuungseinrichtungen. 

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4.3 Weiterführende Informationen 

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), ehemals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), stellt im Rahmen des Programms „Gesund und aktiv älter werden“ Faltblätter und weitere Informationsmaterialien zum Thema Hitzeschutz kostenfrei zum Download und zur Bestellung bereit. 

 

Der Hitze-Ratgeber „Hitzeknigge“ des Kompetenzzentrums Klimafolgen und Anpassung (KomPass) am Umweltbundesamt (UBA) erklärt in verständlicher und alltagsnaher Form, wie man sich bei Hitze schützen kann. Er ist auch in einfacher Sprache  verfügbar. 

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5. Wissenswertes 

Zur Einordnung von Hitzeereignissen werden folgende Begriffe verwendet: 

  • Sommertage: Tage mit Tageshöchsttemperaturen ab 25 °C  

  • Hitzetage (heiße Tage): Tage mit Tageshöchsttemperaturen ab 30 °C 

  • Hitzewellen: Mindestens drei aufeinanderfolgende Hitzetage 

  • Tropennächte: Nächte, in denen die Lufttemperatur nicht unter 20 °C sinkt 

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6. Fazit 

Die Hitzebelastung wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Für viele Menschen erfordert dies eine Anpassung ihres Alltags in den Sommermonaten.

In Pflegeeinrichtungen wird Hitzeschutz zunehmend zu einem festen Bestandteil einer sicheren und qualitativ hochwertigen Versorgung sowie des Arbeitsschutzes. Ein gut organisiertes Hitzeschutzkonzept schützt Bewohnende und unterstützt Mitarbeitende dabei, ihre Aufgaben auch während Hitzeperioden sicher und gesund auszuführen. 

(1) Umweltbundesamt (UBA) (2025): Indikator: Heiße Tage. www.umweltbundesamt.de/daten/umweltindikatoren/indikator-heisse-tage (Zugriff am 02.07.2026) 

(2) Bundesministerium für Gesundheit (BMG) (2026): Gesundheitsrisiko Hitze. www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/hitze.html (Zugriff am 02.07.2026) 

(3) Robert Koch-Institut (RKI) (2026): Hitze und Gesundheit. www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/gesundheitliche-auswirkungen-hitze-node.html (Zugriff am 02.07.2026) 

(4) Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) (o. D.): Gesundheitsrisiken von Hitze. www.klima-mensch-gesundheit.de/hitzeschutz/gesundheitsrisiken-von-hitze/ (Zugriff am 06.07.2026) 

(5) Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) (2025): Hitze und Pflege. https://www.zqp.de/thema/hitze-und-pflege/ (Zugriff am 06.07.2026). 

(6) Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) (o. D.): Pflege bei Hitze. www.gesund-aktiv-aelter-werden.de/fachinformationen/informationen-fuer-pflege/pflege-bei-hitze/ (Zugriff am 02.07.2026) 

(7) Geschäftsstelle Qualitätsausschuss Pflege (2024) Bundeseinheitliche Empfehlung zum Einsatz von Hitzeschutzplänen in stationären Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten. gs-qsa-pflege.de/project/bundesempfehlung-zum-einsatz-von-hitzeschutzplaenen-in-stationaeren-pflegeeinrichtungen-und-pflegediensten-gemaess-%C2%A7-113-b-absatz-4-satz-3-sgb-xi/ (Zugriff am 02.07.2026) 

(8) Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) (o. D.): Hitzeschutz: Schutz der Beschäftigten vor Belastungen durch sommerliche Wärme. https://www.bgw-online.de/hitzeschutz (Zugriff am 06.07.2026) 

(9) Deutscher Wetterdienst (DWD) (2026): Hitzewarnungen. https://www.dwd.de/hitzewarnungen (Zugriff am 02.07.2026) 

(10) Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) (o. D.): Empfehlungen bei Hitze – Tipps für Pflege- und Betreuungseinrichtungen. https://www.klima-mensch-gesundheit.de/hitzeschutz/pflege-und-betreuungseinrichtungen/ (Zugriff am 06.07.2026) 

(11) Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) (o. D.): Downloads und weiterführende Informationen – Hitze und Gesundheit. www.gesund-aktiv-aelter-werden.de/gesundheitsthemen/hitze-und-gesundheit/downloads-und-weiterfuehrende-informationen/ (Zugriff am 02.07.2026) 

(12) Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) (o. D.): Wissenswertes zu Hitze und Gesundheit. www.gesund-aktiv-aelter-werden.de/gesundheitsthemen/hitze-und-gesundheit/wissenswertes-zu-hitze/ (Zugriff am 06.07.2026)

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